Erholungsurlaub
Klar schweift man gern in die Ferne, doch man muss ja nicht immer die ganz großen Reisestrapazen auf sich nehmen - warum sollte man nicht einmal an der Ostsee Urlaub machen?
Klar, man ist in Deutschland nicht immer verwöhnt vom Wetter. Eher im Gegenteil. Lebt man nicht gerade im Breisgau, wo schier immer die Sonne zu strahlen scheint. Und vermutlich nimmt man sich selbst als gar nicht so verwöhnt wahr, ist man im äußersten Südwesten des Landes ansässig. Überhaupt zieht es einen ja tendenziell ins Ausland, möchte man einmal so richtig Urlaub machen. Und das nicht unbedingt zu Unrecht: es ist ja doch sehr viel einfacher, den ungeliebten Alltag hinter sich zu lassen, wenn man die Sprache nicht beherrscht wie ein Muttersprachler und wenn die Kultur eine andere ist. Ist ein Auslandsaufenthalt nicht immer irgendwie von der Aura des Abenteuerlichen umgeben?
Und selbst über grobe Unhöflichkeiten des Kellners mag man eher hinwegsehen, wenn man die Möglichkeit hat, sie einfach auf die anderen Sitten anderer Länder zu schieben, selbst wenn dies noch nicht einmal so stimmen mag – man kann es ja als Außenstehender doch manchmal schwer beurteilen, da entscheidet man sich im Zweifel für das Angenehmere. Naturgemäß gibt es auch den umgekehrten Fall: die notorischen deutschen Touristen - möglichst mit kurzen Hosen, Sandalen und Socken, die man an jedem Flughafen sofort erkennt und die schnell dabei sind, lauthals zu klagen, es sei eine Frechheit, wenn sie in Italien einmal fünf Minuten länger warten müssen als gewohnt.
Wellness oder Bier und Grill?
Nicht nur deutsche Klischeetouristen sind es, denen man die Ostsee als Urlaubsort empfehlen kann – die sind vermutlich ohnehin allerorten in der Lage, einen Grund zur Klage zu finden. Auch, oder vielleicht sogar gerade dann, wenn es darum geht, sich zu entspannen. Es sei ihnen empfohlen, sich einmal fallen zu lassen, um sich in einem Wellnesshotel verwöhnen zu lassen. Das zeitigt freilich nur Erfolge, wenn sie es schaffen, die Muffeligkeit des Michel abzustellen, denn bei einem verspannten Charakter hilft es wohl wenig, den Versuch der Erholung fernab von zu Hause zu unternehmen. Der ist vermutlich besser beraten, sich in den Schrebergarten zu begeben.
Da kann man nach den gängigen Zeitvertreiben seine Uhr stellen: man pflegt sein Beet, verbuddelt neue Blumensamen, später grillt man und trinkt Bier. Allesamt gleichfalls verlockende Tätigkeiten, das muss man zugeben. Zumindest wenn man gerne Fleisch isst und Bier mag. Und an der Ostsee gibt es selbstverständlich auch Campingplätze. Und Schrebergärten. Jeder sollte seinen Urlaub so gestalten, wie er ihm am besten bekommt, und nicht wie es andere empfehlen, muss es also selbst wissen. Aber eines ist doch sicher: wer sich die Landschaft und die Seeluft der Ostsee entgehen lässt, ist selber schuld.
